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Zwei Generationen Janata: Ja, Panik & Worried Men

Lexikon | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Ein besseres, beängstigenderes, ja, bedeutsameres deutschsprachiges Album wird es dieses Jahr kaum noch geben“, hat Spiegel Online Mitte April über "DMD KIU LIDT“ geschrieben, das vierte Album der in Berlin lebenden österreichischen Band Ja, Panik. Ein schönes Lob, und doch enthält es nur die halbe Wahrheit. Ersetzt man das relativierende "kaum noch“ durch ein bestimmtes "nicht“, stimmt es ganz - und wird der euphorischen Spiegel-Kritik auch eher gerecht. Setzten Ja, Panik zuvor auf Indierock, der bei aller Brüchigkeit doch meist recht forsch daherkam, so spielen sie jetzt eindringlichen Pop zwischen Erschöpfung und Aufbegehren, Leidenschaft und Weltverdruss, Liebe und Hass. Noch stärker als zuletzt fügen sich die einzelnen Songs zu einer in sich geschlossenen Albumeinheit, perfekt abgeschlossen vom furiosen 14-minütigen Titelstück, in dem Andreas Spechtl, der Sänger, Gitarrist und Texter von Ja, Panik, auf den Spuren Bob Dylans wandelt und doch seine ganz eigene Sprache spricht. Wie schon beim Berliner Präsentationskonzert werden Ja, Panik "DMD KIU LIDT“ jetzt auch in Wien vom ersten bis zum letzten Song als gesamtes Album aufführen.

Falls Sie bei diesem Konzert einen begeisterten älteren Herrn mit weißem Vollbart im Publikum sehen, handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um Herbert Janata, den Vater des Ja,-Panik-Schlagzeugers Sebastian Janata. Papa Janata ist selbst Musiker, vor 51 Jahren hat er die Worried Men Skiffle Group mitbegründet, die mit Hits wie "I bin a Weh“, "Da Mensch is a Sau“ oder "Glaubst i bin bled“ zu Wegbereitern des Austropop wurden. Im Rahmen der Ausstellung "Die 60er-Jahre. Eine phantastische Moderne“ tritt er mit seinen nach wie vor aktiven Worried Men bei der Langen Nacht der Museen auf. GS

Arena, Mi 20.00 (Ja, Panik) bzw. Musa, Sa 19.30 u. 21.30 (Worried Men Skiffle Group)


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