Neu im Kino

Schwarzer Humor und Herz: "The Guard“

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Im irischen Galway geht der Polizist Gerry Boyle (Brendan Gleeson mit großartigem irischem Englisch) ohne Eile seiner Arbeit nach: Im Büro kritzelt er in ein Malbuch, auf der Straße kostet er das Ecstasy frisch verschiedener Unfallopfer. Bis Mord und Drogenschmuggel das FBI in Gestalt des schwarzen Agenten Wendell Everett (Don Cheadle) auf den Plan rufen, der mit Boyle zusammenarbeiten will ...

Mit "The Guard“ hat John Michael McDonagh eine schwarze Komödie gedreht, die alle Eigenschaften des Genres vereint: Im ersten Teil des Films wird die Hauptfigur kunstvoll zum exzentrisch-unsympathischen, dem Laster frönenden Zyniker ausgebaut, während philosophierende Bösewichte, skurrile Nebenfiguren und verspielte Kameraeinstellungen für die typische Konstruiertheit schräger Situationen sorgen.

Abgesehen davon überzeugt "The Guard“ vor allem mit einem warmherzigen Unterton: Der ehrgeizig-korrekte Everett, der sich von Boyles rauer Schale und rassistischen Witzen nicht beeindrucken lässt, wird für den Iren im korrumpierten Kollegenkreis ein Partner auf Augenhöhe. Der vergnügliche verbale Schlagabtausch der beiden Männer lässt mehr und mehr einen aufrechten und vielschichtig gezeichneten Boyle zum Vorschein kommen, den das Publikum mögen darf, auch wenn der Freigeist mit der todkranken Mutter sich nie ganz in die Karten schauen lässt. "I can’t say if you’re really dumb or really smart“, sagt Everett zu Boyle, ein Satz, mit dem der Film spielt und die Zuschauer bis zum spannenden Showdown im Unklaren lässt. Doch gerade darin liegt der Reiz dieser stimmigen Komödie: Schon beim Abspann regt sich die Lust, "The Guard“ noch einmal zu sehen.

Derzeit in den Kinos (OmU im Votiv)


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