Die Geister sind nicht bös genug

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 39/11 vom 28.09.2011

Einfühlsame Inszenierung der "Geister in Princeton“

Daniel Kehlmanns Alleinstellungsmerkmal als Schriftsteller ist sein liebevoller Zynismus. Eigentlich ein Widerspruch. Außer eben wenn Kehlmann mit genussvoller Ironie die Schwächen seiner Figuren ausbreitet. So auch in seinem erstem Theaterstück "Geister in Princeton“, das den genialen Logiker Kurt Gödel porträtiert. Kehlmann baut es in virtuoser Manier rund um dessen Zeit-Theorie, die ihm ein Aufbrechen der herkömmlichen Chronologie erlaubt: ein Ineinandergreifen verschiedener Lebensphasen, die bei der Uraufführung durch vier Schauspieler (Johannes Silberschneider, Rudi Widerhofer, Claudius Körber und der beeindruckende elfjährige David Rauchenberger) verkörpert werden.

Regisseurin Anna Badora hat dies mit Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt in schöne Bilder gegossen. Wo Kehlmann allerdings bösen Witz aus Gödels trauriger Biografie destilliert, zielt Badora Richtung Tragödie. Heraus kommt ein mit Pointen gespicktes Melodram. Steffi Krautz (als Adele Gödel) und Hans Peter Hallwachs (als Einstein) proben folglich tragikomische Gratwanderungen. Das Ensemble wirkte am Premierenabend anfangs hölzern, bot dann aber eine beeindruckende Performance und bekam großen Applaus.

Schauspielhaus Graz, Di, Mi 19.30


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