Eis zum Frühstück

DURST | Mara Simperler | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Mit Freiheit werden Autos verkauft und Ideologien unters Volk gebracht. Kinder glauben Erwachsene wären frei und Erwachsene das Gleiche von Kindern.

Als Kind war Erwachsenwerden der ultimative Inbegriff von Freiheit. Wir würden Eis zum Frühstück essen, bis nach der Hauptabendsendung aufbleiben und niemals, wirklich niemals unser Zimmer aufräumen. Stellten wir uns vor.

Als Erwachsene fühlen wir uns zwar oft noch immer so planlos wie Kinder, aber wir merken, dass wir keine mehr sind, weil uns die Freiheiten des Kindseins abgehen: kein voller Email-Posteingang, keine Vorstellung von Steuererklärungen und die größten Geldsorgen jene, ob man sich im Freibad ein Jolly oder ein Cornetto leisten kann.

Wir lechzen dem Mythos Freiheit hinterher, denn wir sind der Meinung, irgendwann hätten wir ihn einmal erlebt, irgendwann werden wir ihn auch wieder erleben.

Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.

Jean-Jacques Rousseau,


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