Meinesgleichen

Ein Fürst der selbstironischen Formulierung

Falter & Meinung | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Sie hat es schon wieder getan: Barbara Tóth, interimistische Politikchefin des Falter, legt ein neues Buch vor, bereits das zweite über Karl Schwarzenberg, den tschechischen Außenminister und altösterreichischen Fürsten. "Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit“ lautet der Titel, und die Anführungszeichen machen klar, es handelt sich um einen Gesprächsband. Was in anderen Fällen zur Plauderei oder zur Beliebigkeit führt (viele Leute reden gern, haben aber wenig zu sagen), ist hier dem Thema durchaus angemessen. Schwarzenberg hat viel zu sagen, und er kann es unterhaltsam sagen.

Ohne Scheu gibt er Auskunft über den Alltag des Politikers: "Heute wird man vom Terminkalender gejagt (…) Es macht einen Unterschied, ob ich zu einer Konferenz in Paris mit dem Schlafwagen fahre, in Ruhe und Frieden, mit Zeit zum Nachdenken und Vorbereiten, oder ob ich im Stress von einem Gipfel zum nächsten rase.“ Schwarzenberg spricht ohne Scheu, über Israel und Atomkraft, Familiengeschichte und Charta 77. Er formuliert witzig und beantwortet Tóths Fragen mit einer seltenen Fähigkeit zur Selbstironie. Das macht das Buch nicht nur lesbar, sondern lesenswert. Ein prächtiges Beispiel ist die Schlusspointe. Tóth fragt den Fürsten, ob er als Nächstes tschechischer Präsident werden möchte, das wäre doch die Krönung. Schwarzenberg: "Aber leider wird es keine Krönung sein. Wenn es eine Krönung wäre, also - in dem Fall müsste ich ernsthaft darüber nachdenken.“

Karl Schwarzenberg mit Barbara Tóth: "Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit“. Ein Gespräch. Residenz, 219 S., € 21,90


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