Am Apparat

Werden Sie noch immer von Nazis bedroht, Herr Sailer?

Telefonkolumne

Politik | Interview: W. Zwander | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Nachdem sich der Polizist und Datenforensiker Uwe Sailer, 55, mit den rechtsextremen Betreibern einer Internetseite angelegt hatte, wurde er von der FPÖ mit Klagen eingedeckt und vom Dienst suspendiert. Das Linzer Landesgericht ermittelte gegen ihn wegen Missbrauch der Amtsgewalt, falscher Beweisaussage, Fälschung eines Beweismittels und vielem mehr. Nun wurde das Verfahren gegen Sailer in allen Punkten eingestellt.

Herr Sailer, fühlen Sie sich rehabilitiert?

Ich darf zwar wieder arbeiten, aber durch die Causa ist alles zerstört worden. Der Einfluss der FPÖ auf die Polizei ist gewaltig, und es gibt Allianzen und Verbindungen zwischen dem Verfassungsschutz, der Freiheitlichen Partei und der AFP (Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik; eine rechtsextreme Bewegung, Anm.).

Wie kann man sich Ihre aktuelle Arbeitssituation vorstellen?

Im Grunde genommen darf ich an keinem Computer mehr arbeiten. Ich muss Sachen erledigen, die man einem völligen Neuanfänger auftragen würde. Die wollen mich abschieben, weil sie Angst haben, dass es wieder zu Problemen kommt, wenn ich weiterarbeite.

Von welchen Problemen sprechen Sie?

Das Interessante ist, dass ich meinen Vorgesetzten schon Monate vor der Verhaftung von Felix Budin und Gottfried Küssel gesagt habe, dass die beiden hinter der rechtsextremen Internetseite alpendonau.info stecken, aber es hat niemanden interessiert.

Warum ist die FPÖ bei der Polizei so einflussreich?

Bei der Polizei haben wir leider noch immer eine zu starke hierarchische Struktur. Das zieht Menschen an, die nicht eigenständig denken wollen und die fühlen sich in der Regel auch von der FPÖ angesprochen.

Sie wurden mehrfach bedroht, mussten gar einen Galgenstrick aus dem Briefkasten ziehen. Passiert das noch immer?

Nein, seit Budin und Küssel im Gefängnis sind, hat das völlig aufgehört.


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