16 Der Fall Haidinger

Politik | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

In einem Garten in Wien-Breitenlee lebt Herwig Haidinger. Er wirkt resigniert. Das politische System hat ihn zermürbt. Haidinger war höchster Kriminalbeamter Österreichs. Ernst Strasser holte ihn einst ins Ministerkabinett. Dort will Haidinger erkannt haben, wie sehr Korruption, Vertuschung und Vetternwirtschaft vorherrschen würden. Mitarbeiter Strassers hätten ihn angebrüllt, weil er etwa die Bawag-Akte für Wahlkampfzwecke nicht herausgeben wollte (den Job erledigte später ein Pressesprecher des BZÖ-regierten Justizministeriums, der dafür verurteilt wurde). Im Fall Kampusch habe es die Order gegeben, Fehleranalysen erst nach der Nationalratswahl durchzuführen. Der oberste Polizeichef von Wien habe den Kabinettschef des Innenministers sogar bei Alkounfällen gedeckt. Die Polizei, so Haidinger, sei politisch massiv missbraucht worden.

Seine Vorwürfe führten zu einem - abgewürgten - U-Ausschuss. Strafrechtliche Konsequenzen zeitigten sie nicht. Haidinger wurde später von Maria Fekter auf einen unbedeutenden Posten versetzt. Der Fall zeigte exemplarisch, wie Whistleblower öffentlich gedemütigt werden. fk

Kein Strafdelikt **


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige