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Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Von Pusnik zu Puschnig

Kommende Woche wird in Kärnten gefeiert und getrauert. Einerseits gilt es, des dritten Todestages des verblichenen Übervaters zu gedenken, andererseits darf man sich einen Tag zuvor bei Frankfurtern, Feuerwerk und Fackelzug darüber freuen, dass die Volksabstimmung vor 91 Jahren zugunsten der "Deutsch-Kärntner“ ausgegangen ist.

Mitten in diese schizophrene Stimmung aus Trauer und Jubel platzt nun ein Roman des Germanisten Walter Fanta, der ein Bild von Kärnten zeichnet, wie es nur die Belletristik tun kann.

Die Geschichte handelt vom Kärntner Stefan Puschnig, der wegen seiner slawischen Abstammung in Wirklichkeit natürlich Pusnik heißt und nach einem mittelmäßigen Privat- und einem erfolglosen Berufsleben nur noch eine Chance für sich sieht: Pusnik beschließt Ende der 80er, endgültig zu Puschnig zu werden, und versucht sich an einem gesellschaftlichen Aufstieg als Teil der Buberlpartie rund um Jörg Haider.

Es geht in die Disco, es geht bergauf, zumindest so lange, bis er im Jahr 1990 beim Ulrichsbergtreffen, der Pilgerstätte rechtsradikaler Weltkriegsveteranen, etwas beobachtet, was er nie hätte sehen dürfen. Puschnig verschwindet, seine Spuren verlieren sich, bis David P. im Jahr 2007 auf seine Fährte stößt und ihr folgt. Der Rest ist Kärntner Satire und ein Hauch Thriller.

Walter Fanta: Puschnig. Wieser, 204 S., € 21,-


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