Mediaforschung

Warum werben Sie jetzt mit Jesus, Herr Petzner?

Nachfragekolumne

Medien | Katharina Mittelstaedt | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Als Jesus Christus nackt und blutend am Kreuz hing, kurz vor seinem irdischen Ableben, ließ er letzte Gnade walten. "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, rief er gen Himmel, um seine Peiniger vor Gott zu entlasten.

Selber Spruch, andere Mission: Der BZÖ-Chef Josef Bucher, grauer Anzug, gestreifte Krawatte, sitzt in einem Wiener Kaffeehaus und liest Financial Times. Er trägt eine knallorange Uhr, passend zur Anstecknadel, ist frisch gekampelt und hat den Blick eines Anklägers. An ÖVP, SPÖ und die "EU-Bosse“ richtet er die Mahnung, sie wüssten nicht, was sie tun ("Lukas 23, 34“), steht auf dem Plakat.

"Das ist ein Wutschrei gegen die EU-Linie des Establishments, also gegen Rot, Schwarz und Brüssel“, sagt Stefan Petzner, der schon unter Haider ohne Mithilfe von Werbeagenturen die BZÖ-Kampagnen organisierte. Die diesjährige hält er aber für gänzlich profan: "Es geht nicht um Religion.“ Er wolle lediglich die Bekanntheit des Buches und der Zitate nützen.

Die Idee dahinter: Weil er ÖVP-Wähler, die es abzuwerben gilt, für christlich hält, könne das BZÖ diese durch Bibelstellen locken. Ansonsten sei die Kampagne aber lediglich die "logische Fortsetzung des Bucher-Plans“, der das BZÖ als Wirtschaftspartei und Anwalt des Steuerzahlers positionieren soll.

Ob es nicht auch etwas missverständlich sein könnte, dass über Bucher groß steht, dass sie nicht wüssten, was sie tun, und darüber nur klein, an wen sich das Zitat richtet? "Ich habe erwartet, dass bösartige Journalisten so was fragen, aber ich habe das getestet“, sagt Petzner. "Wenn’s einer nicht kapiert, dann will er es nicht kapieren.“ Bleibt zu hoffen, dass der orange Übervater ein Auge auf seine Kärntner Schäfchen hat und Petzner nicht irrt.


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