Buch der Stunde

Ein Flaneur zwischen Vogelwelt und Vögeln

Feuilleton | Emily Walton | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Ein namenloser Erzähler steht im Zentrum von Wilhelm Genazinos jüngstem Roman "Wenn wir Tiere wären“. Der Mann ist Architekt, aber kein erfolgreicher. Er frettet sich von Auftrag zu Auftrag und führt nebenher eine mäßig glückliche Beziehung. Wie so oft in Genazinos Büchern ist der Protagonist ein Außenseiter, der das Leben als Zumutung empfindet. Er verbringt den Großteil seiner Zeit damit, als schwermütiger Zwangsflaneur durch die Großstadt zu streifen.

Gern betrachtet er die urbane Vogelwelt, die eine beruhigende Wirkung auf ihn hat - vor allem, wenn sie schlafend auf einem Bein herumsteht. Er beneidet das Federvieh um das einfache Leben, in dem es nur um Nahrungssuche und Fortpflanzung zu gehen scheint. Diese detailgetreu geschilderten Streifzüge wirken mal traurig, mal komisch. Genazino - 68 Jahre alt und Träger des Georg-Büchner-Preises - ist bekannt dafür, ein genauer Beobachter zu sein. Dafür darf man sich von ihm keine große Handlung erwarten. Die ist auch in


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