Menschen

Prä. Ten. Tiös!

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler, Gerhard Stöger | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Mit dem Credo "Schönheit vergeht, Einzigartigkeit nicht“ lässt es sich wahrscheinlich ganz gut leben. Und dass man sich als Ex-Model und Ex-Muse (von Modemacher Helmut Lang) nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen muss, ist megalöblich. Aber. Cordula Reyer hat auch noch ein Ratgeberbuch geschrieben. "Glücklichsein für Fortgeschrittene. Wie ich lernte, meine Schwächen zu lieben“ (Brandstätter) heißt das Werk, das in der Konditorei Demel präsentiert wurde. Wir zitieren aus der Gästeliste: "Opernball-Chefin Desirée Treichl-Stürgkh, der Erfinder der Pille, Karl Djerassi, und die schwangere Lilo Schwarzenberg“, alle waren sie da. Alles Fortgeschrittene.

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Wien ist eine Stadt, vollgestopft mit Design. Buswartehäuschen, Mistkübel, U-Bahnen und das eine oder andere Kaffeehaus. Und jetzt auch noch die Vienna Design Week, die sich Tulga Beyerle und Lilli Hollein vor fünf Jahren ausgedacht haben. Eröffnet wurde mit 900 Geladenen im pipifeinen Palais Liechtenstein mit einem gewohnt ansprachenreichen Auftakt (der in Sachen Internationalität einiges zu Wünschen übrig ließ) und einem anschließend gewohnt ausgelassenen Fest mit Designerinnen und Designern, Menschen aus der Wirtschaft und anderen Sponsoren. Weitaus intimer geht’s dann bei den fast 100 Stationen der Designwoche zu, die noch bis diesen Sonntag dauert. Unmittelbares Glanzlicht des Ganzen: das Café Sonja in der Großen Pfarrgasse, ein Lokal, von dem bis auf den Namen nichts übrig geblieben ist, temporär errichtet von Martin Postler und Ian Ferguson vom Londoner Büro Postlerferguson. Und sie haben es gut gemacht.

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Es gibt durchaus auch junge Menschen, die dem "Guglhupf“ eine Träne nachweinen. Also nicht dem trockenen Kuchen, sondern der Radiosendung, die bis vor gar nicht so langer Zeit sonntäglich auf dem Sender für bildungsnahe Schichten ausgestrahlt wurde. Lore Krainer und Herbert Prikopa, die beiden Macher der Sendung, wurden jetzt von Rathausmann Andreas Mailath-Pokorny ausgezeichnet. Der Kulturstadtrat überreichte dem Duo einen Gugelhupf. Plus: je ein Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Kein Wunder, dass es im Auditorium vor Kammersängern und -schauspielern nur so wimmelte.

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Ach, und das Waves-Festival! Eröffnet hat es Soap&Skin im Stadtsaal. Was wurde da nicht wieder getuschelt: Irre kompliziert, diese Frau. Und dann hing da auch noch ein Schild an der Saaltüre, das uns darauf hinwies, dass der Raum während des Konzertes weder betreten noch verlassen werden durfte. Prä. Ten. Tiös. Frau Soap&Skin ist aber nicht nur außergewöhnlich schwierig, sie ist auch eine außergewöhnliche Künstlerin. Ihr Auftritt stand im Zeichen neuer, bislang unveröffentlichter Lieder. Zwischendurch gab sie eine düstere Version des 80er-Pop-Haderns "Voyage, Voyage“ - und ihre abschließende Interpretation des Velvetunderground-Klassikers "Pale Blue Eyes“ rührte nicht nur Soap&Skin-Mentor Fritz Ostermayer zu Tränen. Übrigens: Waves-Gast Zola Jesus, die uns als "amerikanische Soap&Skin“ verkauft wurde, entpuppte sich als kleine Schwester von Bonnie Tyler. Immerhin: im Düsterkleid.

Achtung!

Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 54

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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