Kabarett  Kritik

Tomaten statt Geld: Maschek sehen fern

Lexikon | Ingrid Brodnig | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Niemand kann die Realität so gut umdeuten, neu interpretieren oder vielleicht ihren wahren Sinn enthüllen wie Maschek, die Medienguerillatruppe mit Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel. Sie haben für "101010 - Ein revolutionärer Fernsehtag“ wieder richtig skurriles Videomaterial gesammelt und vertonen die Bänder im Rabenhof neu. Diesmal geht es ganz besonders um die Wirtschaftskrise. Alle möglichen Staatschefs versuchen, mit dieser Herausforderung zurechtzukommen. Venezuelas Präsident Hugo Chavez will zum Beispiel das Geld abschaffen und stattdessen die Tomaten-Währung F.U.T. einführen. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel setzt ganz darauf, möglichst viel für die Kameras zu lächeln und Silvio Berlusconi bettelt verzweifelt um die Hilfe von Hackern. Die könnten das Geld der Reichen klauen und stattdessen an Bella Italia überweisen.

Aber eigentlich ist es auch egal, worum es genau geht. Wichtig ist: Die Pointen sitzen, und Hörmanseder, Salamun und Stachel zeigen viel Liebe zum Detail. Da werden lächerliche Handlungen im Hintergrund verbal betont, zum Beispiel, wie sich jemand die Nase reibt, oder wie Kanzler Werner Faymann tratscht, während der Bundespräsident eine fade, äh, staatstragende Rede hält. Es tut dem Stück gut, dass diesmal besonders viele Aufnahmen aus dem Ausland stammen. So kann Maschek auf die mitreißenden weltpolitischen Umwälzungen eingehen statt nur im Saft der österreichischen Innenpolitik zu brodeln. Das gesamte TV-Material stammt übrigens vom 10. Oktober 2010; verschiedenste Fernsehstationen haben an diesem Tag die Bilder ausgestrahlt, aus denen Maschek "101010“ gebastelt haben. Ein toller Tag Fernsehgeschichte!

Rabenhof, Sa, So, Mo, Di 20.00


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