Kunst Kritik

Die letzte Utopie liegt in den Sternen

Lexikon | aus FALTER 40/11 vom 05.10.2011

Auf den ersten Blick könnte es sich bei der kleinen Ausstellung von Walter Pichler im Mak auch um eine Schau von Sci-Fi-Requisiten handeln. Bei den gezeigten Skulpturen und Zeichnungen kommen einem TV-Serien wie "Stargate“ in den Sinn, die archaische Ästhetik mit Weltraumpathos verbinden. Bereits Pichlers frühe Plastiken, die in den frühen 60er-Jahren Furore machte, wurden als utopisch kühne Architekturmodelle berühmt. Den Erfolg seiner "Prototypen“ oder des "TV-Helms“ begriff der junge Documenta-Teilnehmer aber nicht als Startpunkt für internationalen Ruhm, sondern als Anlass für totalen Rückzug. Mit dem Ankauf eines südburgenländischen Bauernhofs 1972 beginnt Pichler in situ an einer Art Gesamtkunstwerk zu arbeiten. Seinen dort umgebauten Gebäudekomplex und viele weitere Entwürfe zu "Häusern“ begreift der auch als Grafiker für den Residenz-Verlag tätige Künstler als Schutzhüllen für Skulpturen. Wie die jetzige Schau zeigt, tendiert sein Projekt in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Mausoleum. "Lebendig begraben“ könnte wohl unter der Zeichnung einer Art Sarg stehen, die aus der Serie "Das Bett“ stammt. Die existenzielle Ausgesetztheit der vier Bettenskulptur, etwa eines alten Krankenbetts, aus dem Glasscherben stehen, geht empfindlich nah.

Männliche Einsamkeit und Fragilität verströmt aber bereits die Außerirdischen-Figur, feingliedrig und im weißen Mantel, die der 75-jährige Künstler am Beginn der Schau mit einer Büste aus Schokolade kombiniert. Dieter Roth hat ihn damals so modelliert und auch Pichler griff zum weichen Werkstoff Lehm, um seinen metallenen Figuren Fleisch und Haut zu verpassen. Bleibt noch die Zeichnung "Gate“: Wenn dort Hand an eine Tür gelegt wird, scheint der finale Exit nicht weit. NS

Mak; bis 26.2.


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