Bewundern ist ausnahmsweise erlaubt

Extra | Karl Wagner | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Franz Schuh gibt uns mit dem Essayband "Der Krückenkaktus“ Texte in die Hand, die wie Gehhilfen wirken

Der ominöse "Krückenkaktus“ des Titels wird schon auf der ersten Seite als Erfindung des Autors ausgewiesen. Die Erklärung oszilliert zwischen praktischen und zeichenhaften Potenzialen. Ein Krückenkaktus sei eine "wie eine Scheibtruhe schiebbare Kuppel“ mit vielen Löchern, in die man die Krücken steckt, die sonst schwierig zu transportieren sind.

Analog seien die eigenen wie die fremden Texte "Gehhilfen“, die man brauche, um durchs Leben zu kommen. Das auch in der Konsonantenfolge widerborstige Titelwort verschränkt dergestalt Empirie und Spekulation, Poesie und Polemik, Erzählung und Theorie oder, anders gesagt, ein kaputtes Knie und eine kreatürliche Last mit einer intellektuellen Lust an Höhenflügen und "scharf sinnlicher“ Gegenwartsdiagnostik.

Österreichs seit langem bester Essayist ist noch nie so nahe an Jean Améry gewesen, dessen autobiografisch-essayistisch-erzählende


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