Ins Schmelzwasser fallen und langsam ertrinken

Ulrich Rüdenauer | Extra | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Mit "EisTau“ versucht sich Ilija Trojanow am noch jungen Genre des Klimawandel-Romans

Ilija Trojanow ist der geborene Reiseschriftsteller. Seine Biografie, die eine nomadische ist, erzwingt geradezu diese Form des Schreibens. In seiner Reportage "Die letzte Leere“ schrieb er: "Am Ende unserer Reise verspürt manch ein Passagier das Bedürfnis, diese Unberührtheit zu schützen.“ In Trojanows Fall also mit den Mitteln der Literatur.

Jener Mann, dem die Rolle des Beschützers zufällt, heißt Zeno und ist Lektor und Expeditionsleiter auf der MS Hansen, einem Kreuzfahrtschiff, das Bildungshungrige in die eisige Wunderwelt der Antarktis einführen und zugleich ein Bewusstsein für die Gefahren schaffen soll, die der Natur dort drohen.

Früher war Zeno Glaziologe, aber als ihm das Objekt seiner Forschung - ein Alpengletscher - wegzuschmelzen drohte, wurde er zusehends melancholisch. Er heuert schließlich auf einem Schiff an, das ihn weit aus der Welt der Menschen in seine Sehnsuchtslandschaft,

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