Warum Kleist auch 200 Jahre nach seinem Tod noch von heute ist

Franz Eybl | Extra | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Wer die Konflikte unserer Gegenwart verstehen will, der kommt um eine Lektüre der Werke von Heinrich von Kleist (1777-1811) nicht umhin

Versuchsanordnungen

Alles beginnt harmlos, meistens, oder doch zumindest unter überschaubaren zivilisatorischen Regeln, dem Kriegsgesetz etwa oder dem Rechtsbereich. Doch dann laufen die Dinge aus dem Ruder, vergrößern sich die Widerstände, treten Katastrophen ein - ob durch Erdbeben oder durch Liebesblicke, beides hat gleichermaßen fatale Wirkung.

Die Menschen Kleists geraten, ohne es zu bemerken, in die Mahlwerke des Schicksals. So wird der biedere Familienvater Kohlhaas zum entsetzlichen Guerillero, der arme Findling zum verabscheuungswürdigen Betrüger. Aus legitimen Kämpfen entstehen, wie in der "Hermannsschlacht“, abstruse Gräueltaten, aus Rechtsfragen, wie in der "Familie Schroffenstein“, Mord und Totschlag, aus einem Gottesurteil im "Zweikampf“ ein Rattenschwanz dunkelster Verwicklungen.

Selbst im Komischen sind Kleists Konstruktionen

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