Chantal Akermans neuer Film: "La Folie Almayer“ nach Joseph Conrad

Extra | Barbara Schweizerhof | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Die Kamera folgt einem Mann in eine neonbeleuchtete Bar, in der ein Nachtclubsänger auf nervtötend pseudo-laszive Weise Dean Martin trällert. In bedächtigem Tempo nähern sich Mann und Kamera der Bühne, wo der Sänger schließlich niedergestochen wird. Die Kamera wendet sich daraufhin einer der Hintergrundsängerinnen zu, die zunächst wie weggetreten weitertanzt, um dann in Nahaufnahme Mozarts "Ave Verum Corpus“ vorzutragen.

Fast bräuchte es den Schnitt zur nächsten Sequenz nicht, die an einen anderen Ort und in eine andere Zeit führt, um klarzumachen, dass der Mord auf der Bühne den Schlusspunkt einer Geschichte darstellt. Die Szene ist Kino pur: Der Zuschauer weiß eigentlich nichts. Nicht, wer der Mörder ist, nicht, wer ermordet wurde, und nicht, warum die Tänzerin Mozart singt. Und doch ist alles augenscheinlich, ist alles zu spüren: der Wahnsinn einer langen Suche, die Enttäuschung tief gehegter Träume, der Tod ehemals feuriger Leidenschaften.

Leider wird die Intensität


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