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Lee Anne Schmitt: Grabungen in Kalifornien

Extra | Joachim Schätz | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Der größte lebende Baum der Erde war eine Zeitlang nach Karl Marx benannt. Dann musste die sozialistische Holzfäller-Kooperative in Kaweah, California, einem US-Nationalpark weichen. Heute trägt der Riesenmammutbaum den Namen des Nordstaaten-Generals Sherman. In ihrem Essayfilm "California Company Town“ (2008) besucht Lee Anne Schmitt Ruinen der südkalifornischen Siedlungsgeschichte.

Manchmal, wie im Fall von Kaweah, sind die Spuren der Vergangenheit so gut wie getilgt, meist rotten hinter rostigen Zäunen noch Häuserzeilen vor sich hin. Die präzis komponierten 16mm-Aufnahmen kalifornischer Landstriche erinnern an Arbeiten James Bennings, bei dem Schmitt am California Institute of the Arts (seit Jahren ein heimliches Zentrum des Viennale-Programms) studierte. Im Gegensatz zum Landvermesser Benning, dessen Bezüge oft implizit bleiben, breitet Schmitt aber die Fundstücke ihrer historischen Grabungen - Anekdoten, Fakten, Artefakte - per Voice-Over, Großaufnahmen und Archivfilmen aus.

Die Viennale widmet Schmitt eine Werkschau, zur verbindlichen Methode hat sich ihr Blick glücklicherweise bislang nicht verfestigt: Ihre sanft insistierende Off-Stimme und ihr Interesse an der kulturellen Inskription von Landschaften bilden den Kern eines Schaffens, dessen stilistische Bandbreite von somnambulem Impressionismus ("Las Vegas“, 2000) bis zu den Direct-Cinema-Blöcken ihrer jüngsten Langfilm-Recherche "The Last Buffalo Hunt“ (2010) reicht.

Die einzelnen Filme und Termine finden Sie im Lexikon


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