Kritik

Bitte nichts auf dem Kunstregal abstellen!

Lexikon | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Oft reicht schon die Aufhängungsweise eines Bretts, um seinen Status in der Welt zu verwischen. Joe Scanlan weist darauf mit seiner Arbeit "Cameo“ hin, die nichts als ein türkis lackiertes Stück Holz darstellt - senkrecht montiert, erscheint sie klar als Skulptur, waagrecht aufgehängt tendiert sie zum Regal. In der Galerie Janda zeigt der US-Künstler unter dem Titel "Möbel“ neue Arbeiten, die ältere Serien modifiziert fortsetzen. Die Schnittstelle Kunst und Design interessiert den 1961 geborenen Künstler, der mit Perfektionismus alles selbst herstellt, schon lange. In Anspielung auf die Minimal Art zeigt er eine Reihe von Holzgitterskulpturen, die freilich eine Fenster-Assoziation wecken. Fragiles Gleichgewicht finden die wäscheleinenartigen Arrangements mit bunten Stoffstücken, die der hintersinnige Künstler auch als Raummalereien betrachtet.

Scanlans Regalskulptur "Nesting Bookcase“ samt Fotos von deren unterschiedlichen Verwendungen ist auch in der aktuellen Schau "Totem & Taboo - Complexity And Relationships Between Art and Design“ im Freiraum des Museumsquartiers vertreten. Das Pendel schlägt in dieser Crossoverausstellung eindeutig in Richtung Kunst aus: Nur die wenigsten der Exponate würde man für Designprodukte halten.

So setzt Jan de Cock in "Tempio de Apollo“ seine Anspielungen auf Monumentalarchitektur fort, während Manfred Pernice mit einer Säulenskulptur auf die Gestaltung des öffentlichen Raums anspielt. Viel Humor gehört zur Schau, wenn etwa Lisa Lapinski ein "Tobacco Camel“ aus Tabak präsentiert oder Albert Weis drei Stahlrahmen "Philharmonie“ tauft. Vom Fleck bewegt sich die bereits seit den 90er-Jahren schwelende Debatte durch die gezeigte Auswahl dennoch wenig. NS

Galerie Martin Janda, bis 29.10

Freiraum im Museumsquartier, bis 20.11.


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