Neu im Kino

Kleine Morde unter Freunden: "Adams Ende“

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Richard Wilhelmer ist 28. In dem Alter basteln andere an ihrem ersten Kurzfilm. Wilhelmer hat in Graz, Berlin und London Kunst und in Los Angeles Film studiert und nach zwei seltsamen Sci-Fi-Videos seinen ersten Spielfilm gedreht. Der wird all diejenigen überraschen, die seine poppig animierten früheren Arbeiten kennen, denn "Adams Ende“ ist ein klassisch gescriptetes Beziehungsdrama, in dem sich junge Leute in Berliner Wohnungen anflirten und befetzen.

Robert Stadlober, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, spielt Adam, einen Werbegrafiker, der an seinem Leben zweifelt. Während die Langzeitbeziehung zu der selbstbewussten Brünetten Anna (Eva-Maria May) deutlich abkühlt, übt sein bester Freund Conrad (David Winter) eine unausgesprochene, erotische Anziehung auf ihn aus. Der allerdings verknallt sich in Annas Freundin Carmen (Paula Kalenberg). Zu viert fährt man in das Landhaus eines wohlhabenden Verwandten, wo sich "Adams Ende“ zunächst zum Chabrol’schen Psychodrama und später zur schwarzen Komödie im Stil des frühen Danny Boyle auswächst, um am Schluss kurz, aber heftig im Splatter zu schwelgen.

Das Team Wilhelmer/Stadlober zeigt klare Stärken und Schwächen: Zu den Stärken gehört die Kenntnis der Berliner Bobo-Szene, ihrer Lebens- und Sprechweise. Wenn Adam und Conrad mit einer Flasche Bier am Kanal sitzen, wirkt ihr Gespräch spontan und vertraut, und der Abgetragenheitsgrad ihrer Fred-Perry- und Lacoste-Hemden stimmt. Schauspielführung gehört nicht zu Wilhelmers Stärken, und so bremst niemand Stadlober ein, wenn der die Sehnsucht des Adam als große Geste ausspielt. Trotzdem: "Adams Ende“ hat was. Man spürt, dass hier Energie auf die Leinwand drängt, und manchmal gelingt ohne Scheu vor Peinlichkeit ein großer Moment. Adams Trauer um den Maulwurf, den er mit dem Rasenmäher erwischt hat, geht einem unvermittelt ganz nah.

Ab Fr in den Kinos


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