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Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Christopher Wurmdobler trägt ein blaues Auge. Und das ist gefährlich. Denn jedes Mal, wenn der stadtbekannte Fashionagent mit etwas Neuem daherkommt, läuft er Gefahr, einen Trend auszulösen.

Das Fieber ergreift zunächst seinen Freundeskreis, danach die Wiener Avantgarde und schließlich den Mainstream. Damit schließt sich der Kreis, weil Wurmdobler dann eine Stilgeschichte über das Phänomen schreiben muss. Oder was glauben Sie, wer hierzulande als Erster Schnauzer, Freitag-Taschen oder Rippshirt trug - und darüber schrieb?

Jedem, der fragt, erzählt der Jugenddeutsche eine andere Geschichte zu seinem Auge. Einige Versionen müssen zensiert bleiben, andere handeln von enttäuschter Liebe und wütenden Passantinnen.

Im Gegensatz zu ihm wirkt Joseph Gepp ganzkörpergebrochen. Gestern Halbmarathon, meint er. Der Grund für seine innere Alterung sei jedoch ein anderer: der Montag. "Es wird ein Montag sein, an dem die Welt untergeht“, sagt Gepp, in dem nach Jahren des Schlussproduktionsstresses die Meinung gereift ist, die Dinge, die sich da draußen montags ereignen, geschähen uns zum Trotz. Gepp behauptet, alles belegen zu können, mit Naturkatastrophen, Kriegen, Bankencrashs.

Während er sich derart zermürbt umherschleppt und Wurmdobler mit nachahmenswert lässig gesenktem Haupt hinterhermarschiert, scheint Wolfgang Kralicek zu hatschen. Er ist zu Hause von der Leiter gefallen. Im Gegensatz zu Wurmdobler neigt er nicht zum Trendsetting; Gott sei Dank, möchte man sagen.


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