Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Worm ist böse

Der gute alte Alfred Worm. Heute benennen sie Preise für investigativen Journalismus nach ihm. Vor 20 Jahren war er (beinahe) der Einzige, der diese Art von Journalismus in Österreich betrieb. Er hatte den AKH-Skandal und vieles andere aufgedeckt. Er und das Profil - die beiden schienen untrennbar zusammenzugehören.

Ich traf Worm manchmal früh am Morgen vor oder im Espresso am Salzgries, das einem Inder gewichen ist. Noch als es längst das schicke Café Salzgries gab, beharrte Worm mit wenigen Hardlinern auf seinem Resopalespresso. Da stand er, und ich fragte ihn, warum er nicht in die Redaktion gehe. Weil ich keinen Schlüssel habe, antwortete er und schaute grantig. Tatsächlich, der Doyen der Aufdecker durfte nicht vor acht ins Büro. Es stand nicht zum Besten zwischen ihm und dem Profil.

Als die Belegschaft streikte, weil Peter Rabl nicht nur Herausgeber sein, sondern den Verlag auch in der übergeordneten Holding vertreten wollte, und der Streik fast ausgestanden schien, rief mich Worm an. Jetzt wolle er reden, und zwar mit mir. Rabl habe ihm das Recht entzogen, über konzerninterne Vorgänge zu berichten. Das sei die erste Weisung, die er je erhalten habe, und er sei nicht bereit, sie zu akzeptieren.

Mit Kollege Vašek von der Politik und einigen Metern Tonband eilte ich hinüber, wo ich von Helmut Voska (Chefredakteur), Sigrid Löffler (Kulturchefin), Kurt Langbein, Horst Christoph und Worm erwartet wurde, der Crème de la Crème des Magazinjournalismus.

Wir führten ein mehrstündiges Gespräch, das wir in einem Falter-Sonderteil druckten, der noch Interviews mit Peter Rabl und Profil-Gründer Oscar Bronner enthielt, der zwar schon den Standard betrieb, Profil aber gern zurückgekauft hätte. Eine achtseitige publizistische Bombe.

Die Streikenden formulierten übrigens eine "Magna Charta“, welche als erste Forderung enthielt: "Bestandsgarantie von Profil und Trend als unabhängige Zeitschriften.“ Worm sagte: Alles ist kaputt. aT


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