Kommentar

Das umstrittene "Abdullah-Zentrum“ ist den Versuch wert

Religion

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Wenn die Außenminister Österreichs, Spaniens und Saudi-Arabiens am Donnerstag in der Albertina den Gründungsvertrag für das "König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ unterzeichnen, werden sich nicht wenige fragen, was das soll?

Da wird in Wien ein Zentrum für religiösen Pluralismus und Dialog eröffnet und nach einem Mann benannt, unter dessen Regentschaft selbiges nicht existiert? Das mag absurd klingen, ist es aber nicht.

Das Zentrum soll kein Fundamentalisten-Verein, sondern eine offene, internationale Organisation werden, an der nicht nur Vertreter aller Weltreligionen, sondern auch Staaten und NGOs beteiligt sein werden.

Natürlich ist die jüngste Kritik der Grünen an den staatlich verordneten Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien angebracht, ja notwendig. Allein, warum kommt sie so spät? Wer glaubt, ein Projekt, das seit Jahren diskutiert wird, eine Woche vor Vertragsunterzeichnung mit einer parlamentarischen Anfrage zu Fall bringen zu können, der muss sich den Vorwurf des Populismus gefallen lassen.

Außenpolitik kennt zwei Kategorien: Isolation und Dialog.

Seit Bruno Kreisky hat sich Österreich dem Dialog verschrieben. Mit Erfolg. Das Außenministerium hofft, das Zentrum könne eine Hebelwirkung auf Abdullah entfalten. Dieser wiederum hofft dem Vernehmen nach dasselbe im Hinblick auf jene wahabitischen Hardliner, die ihn selbst innenpolitisch unter Druck setzen. Mit beidem wäre den unterdrückten Bürgern Saudi-Arabiens geholfen.

Es gibt dafür keine Garantien. Im schlechtesten Fall werden diese Hoffnungen enttäuscht. Den Versuch ist es jedenfalls wert.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige