Am Apparat

Wer schummelt sich denn in die Frühpension, Herr Blecha?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Die Österreicher gehen zu früh in Pension, 58,2 Jahre beträgt das durchschnittliche Pensionsantrittsalter nämlich. Die Sozialpartner fordern Prämien für Senioren, die länger arbeiten. Wieso die Österreicher so früh in Pension gehen, fragte der Falter Pensionistenverbandspräsident Karl Blecha (SPÖ).

Herr Blecha, wer schummelt sich in die Frühpension?

Niemand. Körperliche Formen der Invalidität wie Beschädigungen der Wirbelsäule oder Erkrankungen von Organen können mit modernen technischen Methoden der Medizin eindeutig diagnostiziert werden. Neu ist aber, dass psychische Erkrankungen wie Burn-out mittlerweile die häufigsten Begründungen für Frühpension sind. Da muss man sich fragen, wieso bei uns überproportional viele unter solchen Erkrankungen leiden?

Und wieso?

Weil der Stress in der Arbeitswelt und auch Mobbing und psychische Belastungen zunehmen.

Machen sich Frühpensionisten auf Staatskosten ein schönes Leben?

Nein. Menschen mit Invaliditätspension kriegen im Durchschnitt 800 Euro Pension, haben also zumeist von einem Tag auf den anderen einen hohen Einkommensverlust. Das macht keiner, weil es gerade lustig ist.

Dieser Vorwurf schwingt bei der Frühpensionsdebatte aber immer mit.

Weil diese Debatte bei uns ganz falsch geführt wird. Wir haben eine Arbeitswelt, in der gesund lange arbeiten zu können, nur schwer möglich ist. Da werden die Menschen systematisch krankgemacht.

Die Skandinavier können aber viel länger arbeiten als wir.

Dort gibt es auch ab dem 40. Lebensjahr Gesundenuntersuchungen am Arbeitsplatz und einen Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer samt ordentlicher Pönale. Bei uns hingegen darf ein 50-Jähriger nicht einmal eine Fortbildung auf Firmenkosten besuchen, weil es heißt, was braucht der Alte noch etwas zu lernen?


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