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Bücher, kurz besprochen

Politik | Birgit Wittstock | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Zwischen Puffn und Hungerstreik

"Ich will kein Märtyrer sein“, lautet eine Zwischenüberschrift, sie ist eine Drohung, dass es hier einer ernst meint. Im gleichnamigen Kapitel, in dem sich der Tierschützerchef in der hochtrabenden Besserwissersprache eines Uniprofessors mit Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela vergleicht und letztlich zum Schluss kommt: "Ich will kein Märtyrer sein, aber ich bin es. So ist der Lauf der Welt“, ist das Hafttagebuch schon längst ins Possenhafte abgeglitten.

Man kann zu den Tierschützern stehen, wie man will, an deren Unschuld glauben oder auch nicht - das Vorgehen der Polizei und der Prozess zumindest waren eine Farce, weshalb die Schilderungen des Titelhelden grundsätzlich eine spannende Story gewesen wären. Leider bleibt es beim Konjunktiv: Martin Balluch erzählt, wie er halbnackt mit vorgehaltener Puffn aus dem Bett geholt wird, von seinem Hunger-streik, bei dem er beinahe den Löffel für immer abgegeben hätte, und von den Pläuschchen mit seinem Zellenhawara Helmut Elsner. All das im Ton einer Doktorarbeit.

Gut, Balluch führt einen Doppeldoktor. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass er schreiben kann. Unverständlich, dass ihn darauf keiner hingewiesen hat. Hätte Balluch lediglich die Infos geliefert und das Schreiben einer übernommen, der etwas vom Handwerk versteht, es hätte durchaus das lesenswerte Dokument eines verrückten Falls werden können. Hat er aber nicht. Ist es aber nicht.

Martin Balluch: Tierschützer. Staatsfeind: In den Fängen von Polizei und Justiz. Promedia, 271 S., € 15,90


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