Wieder gelesen


Bücher, entstaubt

Politik | Marianne Schreck | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Souveräne Zivilgesellschaft

Ohne moderne Kommunikationsmittel und dem Trend hin zur Direktdemokratie wäre die neue Macht der Bürger undenkbar. Aus diesem Grund lohnt sich eine erneute Lektüre des Werks des englischen Philosophen und Staatstheoretikers Thomas Hobbes.

Der Zeitgenosse Decartes übertrug im "Leviathan“ seine mechanistische Körpertheorie auf die Erkenntnistheorie, in der die menschliche Empfindung maßgeblich ist. Hobbes, der sein Hauptwerk während des Bürgerkriegs zwischen König und Parlament Mitte des 17. Jahrhunderts verfasste, war dieser "Naturzustand“ suspekt und so erschuf er die Figur des Leviathan, die sich mit ihrem Regelwerk den menschlichen Trieben entgegenstellt.

Als theoretischer Zuarbeiter der Monarchie ist Hobbes wohl kaum von Interesse. Das Bild, das er prägte, der überdimensionierte Souverän, dem die Bürger aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus ergeben sind, soll einem neuen politischen Verständnis dienen.

Es ist nicht mehr der Regent, auf den die Koordinate zuläuft, sondern jener souveräne Korpus aus vielen Ungleichen, die den humanistisch-demokratischen Werten aus einem - erweiterten - Selbsterhaltungstrieb heraus zu Diensten stehen.

Thomas Hobbes: Leviathan. Reclam, 1986, 327 S., € 8,30


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