Mediaforschung

Wie erkläre ich Ihre Sexpost den Kindern, Herr Wittmann?

Nachfragekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Ungewohnte Post für Wiener Haushalte: Das "Teufelchen“ mit fast nacktem Popo lächelt einem auf dem doppelseitigen Werbeflyer entgegen, darunter der "Drillmaster“-Vibrator in Violett und Türkis, ein leicht biegsamer Kugeldildo, Liebeskugeln aus Metall, "PornDoggy“-DVDs oder "Becky - The Beginner Love Doll“.

Die Sexshopkette Art-X wirbt seit kurzem vermehrt mit Postwurfsendungen in Wien. "Wir sind wie alle anderen Unternehmen auf Werbung angewiesen“, sagt Art-X-Geschäftsführer Heinrich Wittman.

Und wie erklärt man dem eigenen Kind, was da seit neuestem im Postfach liegt? "Wenn das Kind einen bunten Dildo oder Vibrator sieht und danach fragt, kann man ihm erklären, dass sich Mama und Papa sehr lieb haben und gerne gemeinsam spielen“, sagt der Sexshopbetreiber. "Aber natürlich halten wir uns an alle gesetzlichen Vorschriften, und Sie werden in unserem Werbeprospekt nichts Anstößiges finden.“ Bestimmte Begriffe würden nur angedeutet. Die auf 19,90 Euro verbilligten Videos heißen deshalb bloß "HC“, was keine Anspielung auf den FPÖ-Parteichef sei, sondern für Hardcore-Sex stehe. Was sonst an nackten Tatsachen aufregen könnte, wird ausgepixelt.

Kinder könnten heute dem Thema Sex ohnehin nicht entkommen, meint der Sexshopgeschäftsführer, "da brauchen Sie nur den Fernseher oder das Internet aufdrehen“. Auch im Drogeriemarkt Bipa, der sein Repertoire vor kurzem um Sexspielzeug erweiterte, stehen Vibratoren und Plüschhandschellen oft in Augenhöhe der Kinder in den Regalen. Also Sex, wohin das Auge reicht.

Eines habe sich trotz der neuen Offenheit am Werbemarkt aber nicht geändert, sagt Wittmann: "Wer bei uns bestellt, kriegt seine Lieferung natürlich weiterhin in einer neutralen Verpackung zugesandt.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige