Aufreizende Oberflächen und kunstgewerbliches Klimbim: "Die Haut, in der ich wohne“ von Pedro Almodóvar

Feuilleton | Filmkritik: Joachim Schätz | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Im Labor ist dieser Film ganz bei sich: Farben leuchten in Pipetten, eine Blutprobe wird im Mikroskop zur Choreografie von Kreisen. Später zieht das klinische Arrangement eines Operationssaals die Kamera in seinen Bann: Wie die sterilen Skalpelle schimmern! Wie die Einweghandschuhe aus ihren Packungen gelöst werden!

An aufreizenden Oberflächen hat sich Pedro Almodóvar schon immer abgearbeitet, und spätestens seit "Sprich mit ihr“ (2002) bemüht der spanische Autorenfilmerstar eine Bohnerwachsästhetik, in der höchste Künstlichkeit und der Anschein von Unberührtheit zusammenfallen.

Diese Sorge um die Haut der Dinge teilt Almodóvar mit der Hauptfigur seines neuen Films: Als plastischer Chirurg operiert auch Doktor Ledgard (Antonio Banderas) an Oberflächen. Seit einem Verbrennungsunfall seiner Gattin gilt Ledgards fanatischer Ehrgeiz der Herstellung einer künstlichen Haut. Eingesperrt in seiner Villa sitzt eine junge Frau (Elena Anaya), augenscheinlich des Doktors Versuchskaninchen.


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