Zerrbilder des Judenhasses

Feuilleton | Rezension: Sigrid Löffler | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Umberto Ecos neuer Roman "Der Friedhof in Prag“ ist in seiner Dokumentenversessenheit ein etwas zweifelhaftes Vergnügen

Nein, Umberto Eco ist kein Vielleser, er ist ein Allesleser. Der Philosoph, Medienwissenschaftler und Semiotikprofessor liest auch den erbärmlichsten Schund, sofern er ihm als Erzählmaterial für seine historischen Romane dienlich ist. So hat Eco für seinen autobiografischen Roman "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“ Schundhefte, Comics und Trivialliteratur aus der Zeit des Faschismus ausgewertet.

Für seinen neuesten Roman "Der Friedhof in Prag“ greift er auf die verworrenen und sinistren okkulten Schriften des 19. Jahrhunderts zurück, um abermals die Entstehungsgeschichte der sogenannten "Protokolle der Weisen von Zion“ zu erzählen, des scheußlichsten antisemitischen Pamphlets und zugleich größten literaturpolitischen Betrugs der modernen Geschichte.

Abermals deshalb, weil Eco die dubiose und trübe Genesis dieses Machwerks judenfeindlicher Hetze


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