Nachmittag mit einem 99-Jährigen

Feuilleton | Porträt: Armin Thurnher | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Der Künstler Arnulf Neuwirth erzählt aus seinem abenteuerlichen Leben. Demnächst eröffnet eine seiner seltenen Ausstellungen

Als sie einander lieben lernten, 1945 in Dresden, übernachteten sie in einem Hospiz. Der Portier war dem jungen Paar wohlgesonnen und gab ihm nebeneinander liegende Zimmer. Die Tür dazwischen blieb unversperrt. Die Schwester Oberin entdeckte den Frevel und verwies die beiden des Hauses. Am nächsten Tag wurde das Hospiz bei einem Bombenangriff dem Erdboden gleichgemacht.

Verbringt man mit Arnulf Neuwirth, dem 99 Jahre alten Maler, und seiner Frau Helena, jugendliche 87 Jahre, einen Nachmittag, kann man solche Geschichten hören. Die Neuwirths leben heute in Eggenburg im Waldviertel. Die Rückkehr ins Heimatliche kam nach langen Reise- und Großstadtjahren. Neuwirth stammt aus der Nähe von Radschin an der tschechischen Grenze, wohin sein Vater aus Wien nach dem Ersten Weltkrieg geflohen war, vor dem Hunger zu Erdäpfeln und Milch.

1936 erhielt der frischgebackene


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