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Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Alle reden über Apple? Quatsch, wir reden über Peaches. P-E-A-C-H-E-S! Die Elektropopikone trat vergangene Woche beim Electronic Beats Festival in der Arena auf und verteidigte bei ihrem DJ-Set den Ruf als Rampensau. Da bespritzte sie das Publikum mit Prosecco oder bewarf es mit Trauben. Ihr Bustier bestand dabei aus etlichen nackten Brüsten. Und das war noch lang nicht das einzige Stück nackter Haut, das wir zu sehen bekamen. Immer wieder traten zwei Stripperinnen auf, mal in militärischer Uniform, mal als Aliens, mal als Dominas samt Peitscherei. Dahinter legte Peaches am DJ-Pult auf und sang zwischendurch zu eigenen Songs. Die sporadischen Gesangseinlagen waren - samt einem herrlichen Cover von "Private Dancer“ - sicher die tollsten Momente dieser Show. Denn zum Ende hin wurden die Bühneneinlagen fast schon zu viel: Ein bisschen weniger Klamauk und etwas mehr Musik hätte es auch getan. Bei einer Peaches-Show wollen wir schließlich Peaches sehen!

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Bevor Peaches auftrat, spielten übrigens die Crystal Fighters, Hipsters Lieblingsband. Das ausgesprochen junge Publikum fuhr auf den Electro-Indie-Sound ab - und wer hat den Geografietest in der zweiten Schulstunde verschlafen oder die Einführungsvorlesung im Audimax? Recht so! Die Crystal Fighters sind überaus mitreißend, nur wenn man sie zum ersten Mal live sieht, ist man vermutlich überrascht, dass die alle wie Blumenkinder aussehen. Tragen lange Haare, Schlabberlook und laufen gerne barfuß auf der Bühne oder die Herren oben ohne herum. Wir würden ihnen gerne ein paar Schuhe anziehen und ein T-Shirt, aber vielleicht ist dieser Hippie-Look ja auch ein neuer Trend, und bald laufen alle Hipster barfuß herum und reden von "Mutter Erde“. Oh Gott, bitte nicht!

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Der Falter-Popkritiker hat wieder zwei Bücher mehr. Zwei vom gleichen. Seine Lieblingsband Ja, Panik spielte ebenfalls in der Arena. Nämlich das ganze, bereits vergangenes Frühjahr erschienene Uraltalbum ("DMD KIU LIDT“) von vorne bis hinten durch. Kollege Stöger in der zweiten Reihe immer feste am Mittanzen und -singen. Beim 14-minütigen Titelstück konnte allerdings nur Ja,-Panik-Sänger Andreas Spechtl die Lyrics auswendig - mehrere DIN-A4-Seiten Text immerhin, live noch mehr aufgeladen. Verstörend übrigens auch Spechtls Hinweis an seine Jünger: "Niemals vergessen: Es gibt kein glückliches Leben im Drama.“ Noch ein Grund mehr für Stöger, sich gleich zwei Exemplare des neuen Buches von Ja, Panik ("Schriften, Erster Band“) zu sichern. Und ein weiterer Grund für uns, mal über das Wörtchen "Größenwahn“ zu meditieren.

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Apropos: Richtig große Filmpremieren finden ja nicht mehr im Programmkino ums Eck statt, sondern im Kinocenter am anderen Ende der Stadt. Eigentlich. Für die Österreich-Premiere des Erwachsenwerdenfilms "Adams Ende“ von Richard Wilhelmer, den schon bei der Diagonale vor allem der Jungmensch liebte (#hipster), hat man sich dann doch fürs Votivkino entschieden. Begrüßt wurden die Hauptdarsteller Robert Stadlober, Paula Kalenberg und David Winter. Und jetzt wissen wir, wie locker man heutzutage ist, wenn der eine in der Wanne liegt und der andere aufs Klo muss.

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Locker sah es übrigens auch Lydia Obute beim Vienna Night Run zugunsten "Licht für die Welt“. Austria’s Noch-Topmodel wollte wissen, ob es eh okay sei, wenn sie während des Charitylaufs zwischendurch Päuschen einlege. War es eh. 15.230 Starter spendeten 91.380 Euro für Augen-OPs. Da darf man ruhig ein Päuschen machen. Sogar als Hipster.

Achtung! Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 46

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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