Tiere

Schweißnaht

Falters Zoo | aus FALTER 41/11 vom 12.10.2011

Aufgrund finanzieller Überlegungen soll die seit 2002 gesperrte Höhle von Altamira mit ihren vor mehr als 14.000 Jahren entstandenen prähistorischen Felszeichnungen wieder für Besucher geöffnet werden. Klingt gut, riecht aber nach dem Schweiß hunderttausender Touristen, die die fragilen Wandmalereien zuerst befeuchten und dann mit Bakterien und Pilzen vernichten.

Das will man aber kulturinteressierten Menschen so nicht unter die Nase reiben, denn schwitzen tut zwar jeder, aber niemand spricht darüber gerne. Dieses Verhalten ist ein interessantes Relikt unserer evolutionären Vergangenheit, denn der Geruchssinn ist mit entwicklungsgeschichtlich alten Hirnteilen, dem limbischen System, verbunden. Dieses gilt auch als emotionales Machtzentrum im Gehirn und hat eine Standleitung zur Nase. Daher verbinden wir mit Gerüchen zuerst immer ein positives oder negatives Gefühl und erst danach versucht das Großhirn eine sachliche Beschreibung nachzureichen.

Und Körperschweiß - vornehme Leute sprechen von Sudor - erweckt eher selten angenehme Assoziationen. Dabei ist die Fähigkeit, unsere Körpertemperatur durch Schwitzen zu regeln, eine besonders effiziente, die wir im Tierreich nur mit Pferden teilen. Und nur diese und wir Menschen können schnell und lange laufen, bei allen anderen Tierarten versagt die Körperkühlung bald.

Gingen wir nach Urmenschenmanier noch nackt, dann hätten wir auch kein Schweißgeruchsproblem, aber dank Kleidung und Schuhen sind wir wandelnde Bakterienbrutschränke und diese wiederum bauen den Sudor zu unangenehmen Düften ab. Der gemeine Schweißfuß entsteht durch eine Überfunktion der Schweißdrüsen auf den Fußsohlen, und da sitzen, äh, stehen auch besonders viele herum, etwa 500 pro Quadratzentimeter.

Bart Knols, Insektenforscher an der niederländischen Universität Wageningen, stellte im heldenhaften Selbstversuch fest, dass Stechmücken seinen nackten Körper ignorierten und nur von seinen ungewaschenen Füßen angezogen wurden. Auf diesen erzeugte das Bakterium (Brevibacterium epidermis) beim Abbau von Fettsäuren den charakteristischen Geruch von Käsefüßen. Dieser Ausdruck ist ganz passend, denn ein nahe verwandtes Bakterium (B. linens) wandelt Molke in Limburger Käse um.

Wir lernen: lieber nackt herumlaufen, im Sommer keinen Käse essen und Altamira zugesperrt lassen.

"Ich habe nichts zu bieten außer Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“

Rede Winston Churchills am 13. Mai 1940

zeichnung: püribauer.com


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