Ausstellung Tipp

Bühne frei für einen preußischen Zweifler

Lexikon | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Über 34.000 Objekte umfasst die Bibliothek des Kleist-Museums in Frankfurt, das eine Weihestätte für Liebhaber des Dichters und Dramatikers darstellt. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Museum wird nun im Österreichischen Theatermuseum die Ausstellung "Heinrich von Kleist 1777-1811“ eröffnet. Das diesjährige Kleist-Jahr findet zum 200. Todestag des Schöpfers von Theaterklassikern statt, der sich 1811 gemeinsam mit seiner Freundin Henriette Vogel das Leben nahm. Der Fokus richtet sich dabei auf die oft überraschenden Entscheidungen Kleists, die seine Biografie immer wieder in neue Richtungen lenkten. So stieg der junge Adelige aus der preußischen Armee aus, um ein Studium aufzunehmen, das er bald schon wieder abbrach. Wie ein Nomade zog Kleist ständig um und reiste viel. Gesellschaftliches Reformdenken und literarische Experimente hingen für den von der Aufklärung geprägten Schriftsteller unausweichlich zusammen.

Leitmotiv der Schau sind die Selbstäußerungen Kleists in seinen Briefen, in all ihrer Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit. Das Bild des Dichters wird ergänzt mit Exkursen zu seinen Dramen, etwa dem 1810 im Theater an der Wien uraufgeführten "Käthchen von Heilbronn“, und mit Beispielen seiner journalistischen Tätigkeit als Herausgeber und Autor der ersten Boulevard- und Tageszeitung Berlins. Die Exponate reichen vom Autografen des "Zerbrochnen Krugs“, über wertvolle Handschriften aus Wiener und Frankfurter Beständen bis zu Kunst zu Kleist aus der Sammlung des Kleist-Museums. NS

Österr. Theatermuseum, bis 9.4.


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