Kunst Tipps

Nebel und Freiheitssuche vor dem scharfen Auge

Lexikon | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

And may God bless the United States of America“, tönt es aus einem der sechs goldfarbenen Lautsprechern, die Beate Engl kreisförmig im Vorzimmer des Projektraums Viktor Bucher aufgehängt hat. Ihre Audioinstallation "Fanfare“ versammelt Versatzstücke aus Reden US-amerikanischer Präsidenten - immer dann, wenn sie über Gott sprechen. Himmlische Zustände auf Erden werden so gleich zu Beginn der Gruppenschau "Ärger im Paradies“ beschworen. Mimikry und Simulation konfrontiert Olav Unverzart in seiner humorvollen Fotoserie "Sans moi“, wenn er Natur und Künstlichkeit aufeinanderprallen lässt. Etwa mit dem Foto einer Webcam am Berg, die im Nebel steht. Die Nähe von Kunst und Spektakel kommt in Alexander Laners Leuchtplastik "Las Vegas“ in Fahrt: Wie beim Karussell drehen sich dort - penetrant schön - Lichterketten und Neonröhren im Kreis. Michael Schrattenthaler hält sich dagegen an banale Alltagsobjekte. In seiner Installation "Ähhmm“ versammelt er Boiler und formt aus Kupferrohren darüber Sprechblasen, die von Heißwasser durchströmt werden.

Amerika und seine Freiheitsmythen bilden ein zentrales Thema der Fotokunst von Justine Kurland. 2003 war in Wien eine ausgedehnte Bildserie von Kommunen im Hinterland der USA zu sehen. Ihre zweite Schau zeigt einen Zyklus, der sich den nomadischen Lebensformen von Trampern und Vagabunden widmet. Diese "Gespenster amerikanischer Identität“ fing Kurland auf einer Reise ein, die sie mit ihrem Sohn durch die US-Weiten unternahm. Die 1969 geborene Fotografin beruft sich auf Vorläufer wie Walker Evans, will mit ihrem Buch aber weniger Sozialkritik üben, als utopische Freiräume aufzeigen - Paradiese, auch wenn sie schäbig aussehen. NS

Projektraum Viktor Bucher, bis 5.11.; Kunstraum Lisa Ruyter, bis 12.11.


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