Film Neu im Kino

Ein Virus kennt keine Moral: "Contagion“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Das Subgenre des Virenthrillers ist deshalb von Interesse, weil die unsichtbare Gefahr immer noch beängstigender ist als die zur Schau gestellte Zerstörungswut in handelsüblichen Blockbuster-Katastrophenfilmen. Nicht das Zusammenhalten, sondern die Isolierung der Menschen verspricht Rettung. Und genau das ist es, was Angst macht: dass das Überleben in der Katastrophe zu einer Frage der Distinktion wird.

Steven Soderbergh genügt in "Contagion“ eine sich langsam rot einfärbende Weltkarte in den Büroräumen der WHO, um die globale Bedrohung durch ein tödliches Virus zu verdeutlichen. Denn wofür sich Soderbergh in erster Linie interessiert, ist die humanitäre Gegenbewegung: Während die Zahl der Opfer in Millionenhöhe steigt, verfolgt er an den zentralen Schauplätzen zwischen Hongkong und den USA die hilflosen Schutzmaßnahmen und die Suche nach dem Ursprung des Übels.

Als erstes Opfer und somit für einen Gastauftritt stellt sich Gwyneth Paltrow zur Verfügung, die, von einer Geschäftsreise heimkehrend, alsbald buchstäblich ihr Gesicht verliert und einer Starriege Platz macht: Matt Damon, Laurence Fishburne, Kate Winslet, Jude Law und Marion Cotillard sind, sofern nicht in Quarantäne oder in ein chinesisches Dorf entführt, ständig in Bewegung.

Interessanter als Soderberghs auf äußerste Reduktion getrimmte Inszenierung sind jedoch der treibende Schnitt und die pulsierende Musik von Cliff Martinez: Wie die Epidemie gibt auch dieser Film keinen Moment Ruhe und verbreitet ebenfalls eine fieberhafte Atmosphäre. Und schafft dadurch ein größeres Bedrohungsszenario, als es die Katastrophengewinnler in den Hinterzimmern der Pharmakonzerne je könnten.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmhaus, OF im Haydn)


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