Film Neu im Kino

"Mr. Nice“ - ein Leben als Überraschungstüte

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Wo Howard Marks herkommt, erklärt er zu Beginn, gab es mehr Pubs als Kirchen. Auf den Geschmack von Rauschmitteln kommt der junge Waliser aus einfachen Verhältnissen aber erst Mitte der 60er beim Stipendienaufenthalt in Oxford. Der erste Zug vom Joint im Elitewohnheim lässt das Bild von kitchen sink-Schwarzweiß auf psychedelische Farbe umspringen. Für Feinheiten wie die Klassengrenzen der britischen Drogenkultur interessiert sich "Mr. Nice“ später eher nicht mehr. Autor-Regisseur Bernard Rose verwendet die Autobiografie des ehemaligen Cannabisgroßhändlers und heutigen Legalisierungsaktivisten Marks als dramaturgische Überraschungstüte, ohne sich um die durchquerten Milieus groß zu kümmern. Trotz Orientierung am Setzkasten von "Good Fellas“ ist "Mr. Nice“ vorsätzlich kein Epos, sondern funktioniert am besten als entspannte Anekdotensammlung aus der Zeit, als man erst den Filmprojektor einer Schule stehlen musste, um Pornos zu schauen. Hauptdarsteller Rhys Ifans kommt noch dann wie ein verschlafener Tagedieb rüber, als sein Marks mit der Hilfe von IRA und MI6 ein transatlantisches Drogenimperium errichtet hat. Tatsächlich: nett.

Ab Fr in den Kinos


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