Am Apparat Telefonkolumne

Freuen Sie sich über den Satire-Nobelpreis, Herr Huber?

Politik | Interview: P. Iwaniewicz | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Ludwig Huber, Professor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, hat gemeinsam mit einer britischen und zwei österreichischen Forscherinnen den IG-Nobel-Preis für Physiologie für die Publikation "Kein ansteckendes Gähnen bei der Köhlerschildkröte Geochelone carbonaria“ erhalten. Der IG-Nobel (englisches Wortspiel: ignoble/unwürdig) ist eine satirische Auszeichnung, die von der Harvard-Universität für unwichtige oder skurrile wissenschaftliche Arbeiten verliehen wird. Eine für seriöse Wissenschaftler also eher ambivalente Ehre.

Herr Huber, fühlen Sie sich nun geehrt oder missverstanden?

Weder noch. Diese Arbeit ist nur eine in einer Serie zum Verhalten von Reptilien. Ich fühle mich auch nicht missverstanden, denn der Sinn dieses Preises ist es, Wissenschaft abseits des Mainstream sichtbar zu machen.

Mit dem IG-Nobel-Preis werden Forschungsarbeiten ausgezeichnet, die zuerst Lachen und dann Denken auslösen. Inwiefern gibt uns Ihre Studie zu denken?

Wir haben bewusst eine völlig einzelgängerisch lebende Tierart wie diese Schildkrötenart gewählt, um Fragen zur Evolution des Sozialverhaltens zu klären. Wir untersuchten dabei, ob ansteckendes Gähnen auf kognitiven Fähigkeiten und sozialem Einfühlungsvermögen beruht oder es sich dabei nur um einen basalen Reflex handelt.

Ist dieser Preis in der wissenschaftlichen Community eine Ehre oder muss man sich dafür vor Kollegen rechtfertigen?

Natürlich gab es auch Kollegen, die uns abrieten, diesen Preis anzunehmen. Aber als positiven Effekt registriere ich eine gestiegene weltweite Bekanntheit und Aufmerksamkeit für dieses Studienfeld. Es zeigt auch den besonderen Wert unabhängiger Forschung, die nicht nur davon geleitet wird, was für die Industrie nützlich ist. Insofern ist es wichtig, dass sich Wissenschaftler auch mit Randthemen befassen.


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