Gelesen Bücher, kurz besprochen

Investieren als Selbstermächtigung

Politik | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Immerhin eines kann man Gerald Hörhan nicht vorwerfen: dass er nur ein weiteres Buch zur Krise geschrieben hat. Stattdessen gibt der selbsternannte Wiener "Investment Punk“ in seinem knapp 200-seitigen Pamphlet den wohl unpopulärsten Tipp, den man derzeit geben kann: Investiert! Hörhans These: Menschen unter 30 sind träge geworden und haben ihr "ökonomisches Gen“ verloren. Deshalb braucht sie die Wirtschaft nicht mehr und demütigt sie in immer neuen Bewerbungsritualen. Sein "Gegengift“ ist die aktive Beteiligung am Wirtschaftsprozess und die Vermarktung von Ideen, sei es an der Börse, durch Unternehmensgründungen oder -beteiligungen. Das alles kommt zwar ziemlich präpotent daher ("Ihr seid Arschkriecher“), entpuppt sich aber im Zuge der Lektüre als eine Art Aufruf zur Selbstermächtigung: Politische und gesellschaftliche Macht würden die Jungen als marginalisiertes Prekariat niemals erreichen, argumentiert der Autor, auch nicht durch Demos. Deshalb gelte es zu begreifen, was das Bildungssystem vernachlässigt: die Bedeutung des Wirtschaftens. Diese vermittelt Hörhan polarisierend und streckenweise polemisch, aber auch sehr unterhaltsam. Joseph gepp

Gerald Hörhan: Gegengift. Wie euch die Zukunft gestohlen wird. Edition A, 192 S., € 19,95


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