Mediaforschung Nachfragekolumne

"Sind Väter herzloser als Mütter, Herr Strohmayer?“

Medien | Vera Bandion | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Ein kleines Mädchen malt ein Bild von sich und seinem Vater, sie halten Händchen. Zufrieden lächelt das blonde Kind und schreibt "Für Papa“ darauf. Stolz will sie ihrem Vater das Bild zeigen, aber der schubst sie zur Seite und verlässt genervt den Raum.

In der nächsten Einstellung sitzt das Mädchen traurig im Freien. Zum Lied "99 Luftballons“ von Nena erscheint ein Bündel weißer Ballons, das Mädchen greift danach und schwebt in die Luft.

"Manchmal brauchen Kinder einen rettenden Ballon“ - am Ende des TV-Spots erfolgt ein Spendenaufruf des Vereins Pro Juventute, der Kinder betreut, die wegen Vernachlässigung den Eltern entzogen wurden.

In diesem Werbespot der Agentur Ideenwerk ist es ein Vater, der sich nicht um seine Tochter kümmert. Das regt die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Edith Mühlberghuber auf. Herzlose Väter würden in "klischeehafter, aber der Realität nicht entsprechender Weise als Ursache für Kinderleid hingestellt“. Das sei falsch, weil meist die Mutter die alleinige Obsorge für ein Kind habe.

Diskriminiert der Spot die Väter? Markus Strohmayer, Creative Director von Ideenwerk, verwundert der Vorwurf: "Dass wir einen Vater als Protagonisten gewählt haben, hatte keinen tieferen Hintergrund, wir hätten genauso gut eine Mutter oder Großeltern nehmen können.“ Auch beim Österreichischen Werberat beschwerte sich jemand über die vermeintlich männerdiskriminierende und damit "sexistische“ Werbung, in der zudem zu wenig Gewalt gezeigt würde: Man habe sich nicht getraut, das Schlagen eines Kindes zu zeigen.

Wollten die Werber das Thema verharmlosen? "Wir haben bewusst keine physische Gewalt dargestellt, da es häufig um Vernachlässigung geht“, sagt Strohmayer. Der emotionale Schaden sei oft am größten.


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