Weiße Pferde, dunkle Zeiten

Feuilleton | Analyse: Daniela Strigl | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Lahmende Lipizzaner, verzweifelte Bereiter, mangelhafte Performances: Die Ausgliederung der Spanischen Hofreitschule zeitigt alarmierende Folgen

In seiner Rede zum Nationalfeiertag 2001 sagte Kanzler Wolfgang Schüssel, "die alten Schablonen Lipizzaner, Mozartkugeln oder Neutralität“ würden "in der komplexen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts“ nicht mehr "greifen“. Schüssel hat sich hier nicht nur stilistisch vertan: Die alte Schablone Lipizzaner ist als Symbol österreichischer Identität heute nicht minder wirksam als 1983, als eine Herpesseuche im Gestüt Piber wütete, oder 1992, als beim Brand der Hofburg Passanten bei der Rettung der Hengste halfen und ein ganzes Land aufatmete.

Die Aura der weißen Pferde changiert zwischen der Geschichte Habsburgs und dem Gründungsmythos der Zweiten Republik: Erzherzog Karl II. gründete 1580 das Gestüt Lipizza im (heute slowenischen) Karst, die an Europas Fürstenhöfen berühmten spanischen Pferde veredelten nicht nur die neue Rasse, sie


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