Fast ein Comeback: der Roman "Entfernung“ von Marlene Streeruwitz im Schauspielhaus

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Vor 20 Jahren war Marlene Streeruwitz eine erfolgreiche Dramatikerin. Vor zehn Jahren stellte sie, enttäuscht vom Theaterbetrieb, die Dramenproduktion ein. Vergangenen Samstag stand sie nach langer Zeit wieder einmal auf einer Theaterbühne, um sich den Applaus abzuholen: Mit "Entfernung“ hatte im Schauspielhaus zwar kein neues Stück, aber die Adaption eines Streeruwitz-Romans (2006) Premiere.

Das Buch erzählt in der typischen Stummelsatzprosa von einer Frau, die einigermaßen neben den Schuhen steht. Selma Brechthold, Ende 40, hat ihren Mann und ihren Job als Chefdramaturgin bei den Wiener Festwochen verloren und macht eine sinnlose Reise nach London, wo sie mit einem Kollegen verabredet ist. Später gerät sie in einen Aktzeichenkurs (als Modell!), in das Konzert einer Frauenpunkband (The Singing Tampons!) und schließlich in einen jener Undergroundzüge, in denen 2005 eine Bombe explodierte.

Der Schweizer Regisseur Samuel Schwarz und der Hamburger Musiker Ted Gaier (Die Goldenen Zitronen) destillierten aus dem latent depressiven 470-Seiten-Egotrip eine knapp zweistündige, ziemlich kurzweilige Kulturbetriebssatire. Drei Schauspieler treten als bildende Künstler auf, die an seltsamen Objekten basteln und zwischendurch ans Mikrofon treten, um durch den Roman zu hetzen.

Nach und nach ergeben sich zunehmend auch szenische Situationen. Vincent Glander etwa hat einen hochkomischen Auftritt als englischer Dramaturg ("You don’t know anything about modern contemporrrrary theatre!“), Veronika Glatzner und Barbara Horvath haben als Performancekünstlerinnen große Momente. Marlene Streeruwitz ließ sich am Ende lange bitten, ehe sie auf die Bühne kam. Vielleicht war sie sich nicht ganz sicher, ob sie mitlachen soll.

Nächste Vorstellungen: 26. und 27.10., 20 Uhr


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