Menschen

Zum Wiehern

Kolumnen | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Alle, die wichtig sind und ein frisch gebügeltes Hemd besitzen, waren freilich vergangene Woche beim "Future Talk“ der Telekom Austria, wo wieder einmal ein Vordenker des Web zu Gast war. Und zwar nicht irgendein selbsternannter Internetbesserwisser, sondern tatsächlich der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee. Der Mann ist ein echter Sir, denn die Queen hat ihn für seine Verdienste um die Menschheit und die Maschinen aber so was von geadelt. Tim Berners-Lee spricht freilich gerne über die Sinnhaftigkeit seiner Erfindung - er staunte nur darüber, diesmal auch vor Tieren aufzutreten. "Ich habe bisher noch nie vor Pferden eine Rede gehalten“, sagte er vor rund 700 Gästen und etlichen Einhufern. Die Veranstaltung fand nämlich in der Spanischen Hofreitschule statt, gleich neben den Ställen der Lipizzaner. Den ganzen Abend roch es nach Land, Dung und Heu. Die Pferdchen waren aber die heimlichen Stars der Veranstaltung, etliche Besucher machten Fotos von sich und den Tieren und staunten, wie geduldig diese den Rummel hinnahmen. Wie richtige Stars eben: Die bringt nichts aus der Ruhe. Nicht einmal die Bügelhemdenträger und dieses seltsame Internet.

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Manner-Bruch kennt man ja: zerbröselte Schnitten zum günstigen Preis aus dem Fabriksverkauf. Aber was ist ein Manner-Brunch? Schnittenfrühstück all you can eat? Die Hernalser Waffelfabrik lud jedenfalls in den Volksgarten zum "Manner Erntedank Brunch“, und allein diese Wortkombination ist irgendwie zum Wiehern. Man stellte die neue Vollkornschnitte vor, Skispringer Andi Kofler, Martin Koch, Lukas Müller und Manuel Fettner brachten mit einem rosa Traktor (kann man den vielleicht einmal für Gay Pride ausborgen?) die, äh, "Ernte“ ein, und Dompfarrer Toni Faber - wer sonst!? - gab der Veranstaltung allein durch seine Anwesenheit seinen Segen. Blöderweise haben wir die Einladung zur Prosecco-Messe im Stephansdom verschlampt.

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Wären wir doch lieber zu Wladimir Kaminer und Patrick Müller in die Kantine im MQ gegangen. Der schreibende Berliner Russe und der schweigende Wiener Koch bestritten die hübsche Veranstaltung "Küche totalitär“; während der eine aus seinen Büchern vorlas, kochte der andere, und am Ende gab’s für alle was zu futtern. Aber die totalitäre Kantinenküche wird doch sicher wiederholt, oder? Vielleicht sogar mit Ben Becker, der sich ja neuerdings gerne im MQ herumtreibt, wie man hört.

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Keine Angst, wir gehen hier jetzt nicht auch noch auf Schlägereien und Versöhnungen ein, die sogar Qualitätsmedien wie die Süddeutsche beschäftigen. Stattdessen summen wir "Sch***e Schauspieler“ von der Band Kreisky. Und gratulieren José Carreras zur Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold. Die wurde dem Herrn Kammersänger nämlich feierlich verliehen; Staatsoperndirektor Dominique Meyer laudatierte.

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Die Einladung der Woche erreichte die Zoo-Direktion aus dem Bereich Musical. Nein, Absenderin war nicht die scheidende Musicaldirektorin Kathi Zechner, sondern deren Vorgänger Peter Weck. Der Mann, der "Cats“ nach Wien geholt hat. Nun kommen die Katzen wieder, und Weck zeigte ihnen "sein Wien“ - nämlich mit dem Bus. Das Theater an der Wien, "wo alles begann“, Schloss Schönbrunn und die Ringstraße. Bei Do&Co im Haas-Haus geschah dann Unerwartetes. Wir zitieren aus dem Einladungsschreiben: "Peter Weck und die Katzen laden zu Kaffee und Kuchen - im Hintergrund den Stephansdom.“ Wir hätten uns schon Katzenfutter erwartet. Miau.


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