Tiere

Schrumpfköpfe

Kolumnen | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Klimawandel lässt Arten schrumpfen! Diese grellbunte Schlagzeile rauschte diese Woche durch die Wissenschaftsseiten der Medien, doch nach dem Lesen der Meldung gab es mehr Dunkelheit als Licht. Nach Ansicht einer Forschergruppe werden durch die Klimaerwärmung einige Tier- und Pflanzenarten kleiner.

Diesen Befund ziehen sie aus der Beobachtung, dass 38 von 85 untersuchten Arten in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft sind. Natürlich nicht während ihrer Lebenszeit, sondern in Abfolge der Generationen. Aber auch dann wirkt diese Studie blass und ist bei ca. zwei Millionen bekannten Tier- und Pflanzenarten statistisch nicht überzeugend. Die menschliche Erwachsenengröße hat in den vergangenen 100 Jahren zumindest um durchschnittlich acht Zentimeter zugenommen, und Babys, die zwischen 1995 und 2000 geboren wurden, messen um ca. zwei Zentimeter mehr und sind 300 Gramm schwerer.

Einspruch! Stattgegeben, die Geschworenen mögen diesen letzten Satz wegen Biertisch-Klimaskeptizismus als nicht relevant werten. Aber. Theorien zu den Folgen des Klimawandels steigen inflationär an und erinnern an das Wettrüsten in Zeiten des Kalten Krieges. Eine negative Auswirkung (z.B. Ansteigen der Waldbrände) wird sofort durch einen anderen Aspekt getoppt (z.B. Ergrünen der Sahara). Die Studie "Climate and Happiness“ postuliert sogar, dass steigende Temperaturen wahrscheinlich einen Einfluss auf die Summe und die Verteilung des Glücks der Menschheit haben werden. Menschen in Kanada und Skandinavien würden durch warme Wintermonate am stärksten an Glück gewinnen, während dies bei Bewohnern süd- und südosteuropäischer Staaten zurückgehen würde. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass nur Temperatur und Niederschlag, nicht aber die möglichen Auswirkungen extremer Wetterereignisse sowie einer emotionalen Anpassung an ein verändertes Klima auf die Glücksbefindlichkeit berücksichtigt wurden.

Was lernen wir daraus? Genau nichts, denn was soll man auch hinter diesem Sprühnebel aus weisen Worten der Wissenschaft erkennen?

Zumindest der deutsche Weinbau schaut dem Klimawandel hoffnungsfroh entgegen und erkennt eine "positive Verbreiterung des Rebsortenspektrums in den nördlichen Anbaugebieten“. Na ja, es wird a Wein sein, und wir wer’n nimma sein, Hollodaro!


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