Melancholisch im Sturm

Extra | aus FALTER 42/11 vom 19.10.2011

Der Bariton Georg Nigl führt Liederzyklen auf, die Friedrich Cerha und Wolfgang Mitterer für ihn geschrieben haben

Sein Bach-Kantaten-Zyklus mit dem Ensemble Claudiana im Konzerthaus ist regelmäßig ausverkauft. Neben Georg Nigl hat auch Wolfgang Mitterer an der Orgel längere Zeit dabei mitgewirkt. Denn, ja, der heute in aller Welt viel beschäftigte Bariton, der kürzlich in Japan in einer neuen Oper von Toshio Hosokawa sang, war einmal Sopransolist der Wiener Sängerknaben. Er trat mit Größen wie Carlos Kleiber oder Leonard Bernstein auf.

Nach dem Stimmbruch stürzte er sich beim Gesangsstudium bei Hilde Zadek neben der Klassik und Zeitgenössischem auch auf Alte Musik. Sein erstes wichtiges Engagement hatte er bei Nikolaus Harnoncourt. Mit deutscher Barockmusik von Telemann (Oden) und Bach ("Schemelli-Gesänge“ inklusive "Komm, süßer Tod“) bestritt er auch seine Liedzyklen.

Das Interesse für Neue Musik erwachte in ihm, als er erkannte, wie Musikschaffende an ihre Arbeit herangehen. Das erzählte er einmal Ursula Strubinsky von der Ö1-Sendung "Zeit-Ton“. Es freue ihn, "dass Komponisten an mich denken, wenn sie etwas komponieren“. Das tun sie immer wieder. Ohne alle zu nennen: Wolfgang Rihm, Friedrich Cerha, Georg Friedrich Haas, Olga Neuwirth, Salvatore Sciarrino, Richard Dünser, Wolfgang Mitterer, Peter Eötvös und Pascal Dusapin schufen für ihn bedeutende Werke, vielfach auch für die Bühne. Mit großem Erfolg trat der heute 39-jährige als Sängerdarsteller bei über 30 Opern des 20. und 21. Jahrhunderts auf, darunter als Wozzeck, Jakob Lenz, Dionysos, Luzifer, in Janáceks "Katja Kabanowa“ …

Friedrich Cerha hat für ihn bereits Lieder von Emil Breisach vertont, jetzt folgt von ihm "Malinconia“ für Posaune und Bariton. Dazu kommt Wolfgang Mitterers "Im Sturm“, Lieder aus der Ideenwelt Franz Schuberts in Begleitung von präpariertem Klavier und Elektronik (siehe Text links). Heinz Rögl


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