Ausstellung Tipp

Von Psychen, Lavabos, Bourdalous und Bidets

Lexikon | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Als Geistlicher am Hofe Ludwigs XIV. liebte es der Jesuitenpater Louis Bourdaloue, stundenlang zu predigen. Die Hofdamen hingen an seinen Lippen und wollten keinen Moment seiner wortgewaltigen Unterweisungen versäumen. Um nicht einmal für die Toilette die Kirche verlassen zu müssen, sollen sich die frommen Frauen mit einem Gefäß beholfen haben. Oval wie eine Saucière sehen jene Pipitöpfchen aus, die bald als sogenannte Bourdalous im Angebot der Porzellanmanufakturen auftauchten und von denen nun eine kleine Auswahl in der Ausstellung "Intime Zeugen“ im Hofmobiliendepot zu sehen ist.

Die Schau versammelt all jene Dinge und Möbel für die tägliche Hygiene, die vor der Erfindung und der allgemeinen Einführung des Badezimmers benutzt wurden. Schon um 1500 existierten Waschkästen mit Wasserspendern und Metallbecken, wie ein Holzschrank aus dem Vinschgau beweist. Sie wurden abgelöst von Gestellen, die dem Set von Krug und Schüssel namens "Lavabo“ Platz boten. An der "Poudreuse“, wie der Toilettetisch auch bezeichnet wurde, pflegten Adelige bereits morgens die ersten Besucher zu empfangen. Elegante moderne Exemplare - sogenannte Psychen - entwarfen Josef Hoffmann für das Sanatorium Purkersdorf oder 1930 Josef Frank. Erschwinglich wurden derlei Spiegelmöbel durch Produzenten wie Thonet, von dem ein Jugendstil-Schlafzimmer samt Waschtisch vertreten ist. Sisis Reisetoilette samt Lockenzange und das Nachtzeug von Kaiser Franz I. gehören ebenso zur Schau wie eine Parade von "Zimmerretiraden“. Diese als Stühle getarnten Klos waren ebenso wie die Leibschüssel noch zu einer Zeit verbreitet, als in Wien 1888 die ersten Installateure ihre Innung gegründet hatten. NS

Hofmobiliendepot, bis 22.1.


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