Neu im Kino

Bully-Parade in Moskau: "Hotel Lux“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Zweitausendneun zeigte "Inglourious Basterds“, ein halb deutscher Film über Nazis, Schauspieler außerhalb ihres Fachs in Uniformverkleidung beim Fremdsprachig-mit-Untertiteln-Reden. 2007 zeigte "Die Fälscher“, ein halb deutscher Film über Nazis, Schauspieler außerhalb ihres Fachs als Kreativarbeiter zwischen Widerstand und Opportunismus gegenüber dem Terror. 2006 zeigte "Mein Führer“, ein deutscher Film über Nazis, Schauspieler außerhalb ihres Fachs als Hitler und dessen Coach, einen jüdischen Theatermann.

"Hotel Lux“ bietet all das in einem. Der Film von Leander Haußmann, seit "Sonnenallee“ auf satirischen Umgang mit realsozialistischem Geschichts-, Klamotten- und Jargonbestand abonniert, handelt allerdings mehr vom Stalinismus: Ein Bühnenkomiker flieht nach Jahren des Opportunismus aus dem braunen Berlin und gerät im Moskauer Emigrantenhotel Lux in den kafkaesken Alltag (Bespitzelung, Stalinkult) deutscher Kommunisten, darunter eine idealistische Genossin und künftige DDR-Größen. Einige Zufälle, Untertiteldialoge in Russisch und ironische Off-Kommentare später ist er Hofastrologe und Coach von Stalin, Massenmörder in Schlapfen und Wodkarausch. Der Komiker und ein jüdischer Ex-Kollege, versiert in Hitlerparodien, überstehen "Säuberungen“ vor dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 in Verkleidung. Das ist nicht gänzlich antikommunistisch, erstaunlich voraussetzungsreich in Sachen Faible für Namen und Fakten aus der Vorzeit der DDR (Schulunterrichtseinsatz ist da unvermeidlich, leider) - und weniger lustig, als es von einem Film mit Michael Herbig zu erwarten wäre. Das Ende gerät zum Denkmal für "Bully“, den Komiker als weisen Clown und Zeugen deutscher Geschichte, mit einem Fuß schon inmitten Hollywoodstars wie Cary Grant, die der Abspann defilieren lässt. Muss das sein - oder nicht sein?

Ab Fr in den Kinos


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