Wo Europas Zitronen blühen und Sklaven sie pflücken


Rezension: Sibylle Hamann

Politik | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Die italienische Mafia beutete afrikanische Einwanderer systematisch aus. Bis die "Tage des Zorns“ von Rosarno uns aufrütteln sollten

Sie standen immer an der Bundesstraße Nummer 18, knapp außerhalb des süditalienischen Städchens Rosarno. Abgerissene Gestalten, notdürftig eingewickelt in viel zu dünne Jacken gegen den feuchten Jännerwind. Im Morgengrauen fuhren die "Kapos“ mit ihren Pritschenwagen vor, um ein paar hundert der Männer zum Orangen- und Zitronenpflücken einzusammeln. 25 Euro boten sie für zehn Stunden Arbeit auf der Plantage, fünf Euro würden sie für den Transport abziehen; wer aufmuckte, bekam Schläge.

Nichts wich am 8. Januar 2010 von der "alltäglichen Routine von Gewalt und Schikane ab, außer der Tatsache vielleicht, dass an diesem Morgen ein bisschen mehr Aggressivität zu spüren war“ als sonst. Wer Glück hatte, kletterte auf die Ladeflächen; wer Pech hatte, trottete heim ins Massenquartier in einer stillgelegten Fabrik: feuchte Schlafsäcke, offene

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