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Bücher, entstaubt

Politik | Alexander Fanta | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Die Staatsmacht der Sekretäre

Es sind nicht Politiker, Konzernmanager oder geheime Bünde, die die Geschicke der Republik lenken. Österreich ist die Republik der Sekretäre. Sie sind es, die Skandale auslösen oder sie beilegen, Korruption aufdecken oder sich in sie verstricken. Selbst wenn ein medialer Sturm ihre Namen aufwirbelt, den eines Walter Meischberger oder eines Christoph Ulmer, und die Betroffenen mit sich hinwegfegt, das System und seine Seilschaften bleiben bestehen.

Vor 14 Jahren trug der Journalist Samo Kobenter ein Brevier über die Sekretäre des Staates zusammen. Es ist ein Kreis von nur 300 Personen, schätzte der Autor, die seit Anbeginn der Republik von den Regierungskanzleien und Pressebüros aus das politische Geschehen steuerten. Minutiös beschreibt er die Hebel und Gewinde eines Machtapparats, der dazu dient, die Regierenden zu stützen und häufig auch den Sekretär selbst nach oben zu befördern.

Auch der Lebenslauf Kobenters selbst dient als Illustration. So quittierte der Autor 2007 seinen Dienst beim Standard und stieg zum Leiter des Bundespressedienstes auf. Kürzlich wechselte Kobenter als Sektionschef ins Verteidigungsministerium. Einst deren einfühlsamer Biograf, ist er selbst ein Teil der Maschine geworden.

Samo Kobenter: Die Republik der Sekretäre. 1997, Molden, 204 S., € 19,90


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