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Pressekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Vor Österreich ist man nicht einmal in der Kühlkammer sicher. Diesmal ließ sich Österreich-Reporter Karl Wendl vor der Leiche von Muammar Gaddafi fotografieren, das Wackelbild eines Toten landete auf dem Titelblatt. Im Innenteil gibt es das "Fotodokument“ von der Erschießung des Diktators dazu. Eh schon tot, eh schon wurscht, scheint sich die Österreich-Redaktion gedacht zu haben.

Andere taten sich zumindest schwerer mit der Entscheidung, Bilder der blutverschmierten Leiche abzudrucken. Der Standard, der am Freitag ein ähnliches Foto am Titelblatt hatte, füllte in der Wochenendausgabe und auch am Montag je eine Viertelseite mit Erklärungen, wieso die Redaktion sich für das Bild entschied. Nur die Presse am Sonntag hat sich klar positioniert: "Wir sagten Nein: Diese Fotos zeigen nur den grausamen Tod eines grausamen Menschen - in blutrünstigen Details“, lautet die Erklärung, wieso in der Presse keine derartigen Bilder zu finden waren. Auch so kann man mit Leichen von Diktatoren umgehen.


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