Der Zauberer der Zeichen

Medien | Nachruf und Interview: Thomas Edlinger | aus FALTER 43/11 vom 27.10.2011

Der verstorbene Germanist Friedrich Kittler erforschte das Rauschen des Geistes

Ein Sound ist gestorben. Friedrich Kittler, der Mann, der die Technik auf ihre Psyche und die Psyche auf ihre Technik abhörte, ist tot. In seinem berühmten Buch "Grammophon Film Typewriter“ deutete er die Plattennadel als den alle Fehlleistungen protokollierenden Kugelschreiber Freuds.

Für den in Berlin lehrenden Professor mit dem schlohweißen Haar gab es keine Welt, die ohne ein Nachdenken über die Codes ihres Erscheinens darstellbar war. Als gelerntem Germanisten waren ihm von Anfang seiner Karriere an die Grenzen der literaturwissenschaftlichen Textauslegung zu eng. 1980 propagierte er die Austreibung des Geists aus den Geisteswissenschaften - und meinte das durch-aus positiv. Die Zeichenbildung, technischer formuliert: die Codes, sollte auf ihre weltformende Bedeutung hin untersucht werden.

Kittlers Credo war, dass alles, was wir fühlen und denken, von den medientechnischen Voraussetzungen unserer Erfahrung


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